Gute Netzwerkarbeit und Vorausschau, das hat bisher ganz gut geklappt

Engaspräch

Seit Juni 2013↵ gibt es die Fa­ce­book-Inter­view-Rei­he En­ga­Spräch↵ von Enga­ge­ment Glo­bal – dem Ser­vice für Ent­wick­lungs­ini­ti­a­ti­ven. Jetzt stell­te sich Ca­ro­la Schaaf-Derichs den Fra­gen:

Sie sind die Ge­schäfts­füh­rerin von „Die Hilfs­be­reit­schaft e.V.“1 und wur­den auch schon für ihr En­ga­ge­ment aus­ge­zeichnet. Was treibt Sie täg­lich an, ihre Idee in die Tat umzu­set­zen?

Die Kraft aus vie­len Kon­tak­ten zu beson­de­ren Men­schen und das Gefühl, gemein­sam etwas Gro­ßes zu bewe­gen. Durch unse­re Arbeit als Lan­des­frei­wil­li­genagen­tur Ber­lin kön­nen wir schon seit über 25 Jah­ren einen Teil der bür­ger­ge­sellschaftlichen Ent­wick­lun­gen und Infra­struk­tu­ren in Ber­lin mit gestal­ten. Und es sind vor allem die in­ter­es­san­ten, unter­schied­li­chen und eben enga­gier­ten Men­schen aus allen Tei­len der Gesell­schaft, denen wir auf die­sem Weg begeg­nen und die uns so täg­lich berei­chern.

Was sind die Kern­auf­ga­ben des Hilfs­be­reit­schaft e.V.?

Vor 25 Jah­ren haben wir natür­lich zuerst mit der In­for­ma­ti­on und Bera­tung für Frei­wil­li­ge↵ ange­fan­gen. Mitt­ler­wei­le bera­ten wir auch Unter­neh­men↵, Ver­bän­de, Netz­wer­ke und alle Arten gesell­schaft­li­cher Insti­tu­tio­nen zu ihren Fra­gen im Bereich bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ments. Ob es um Mit-Mach-Aktio­nen geht oder um eine neue struk­tu­rel­le Auf­stel­lung, damit das Frei­wil­li­gen­ma­nage­ment in der Orga­ni­sa­ti­on bes­ser klappt, um die Ge­win­nung oder um die Betei­li­gung und Par­ti­zi­pa­ti­on von Frei­wil­li­gen, wir sind „Part­ner im Enga­ge­ment“.

Nicht zu ver­ges­sen, wir ver­an­stal­ten jähr­li­che Groß-Events und die media­le Kom­mu­ni­ka­ti­on dazu auf Ber­li­ner Ebe­ne im Bereich bür­ger­schaft­li­chen Enga­ge­ments: so wie die Ber­li­ner Frei­wil­li­gen­bör­se↵ als größ­te Mes­se zum En­ga­ge­ment in der Stadt, oder die Ber­li­ner Enga­ge­ment­wo­che↵, die als Wochen­for­mat↵ und in ihrem BLOG zeigt, wel­che en­ga­gierten Schät­ze sich in Form von Initia­ti­ven, Aktio­nen und Ver­an­stal­tun­gen in einer Woche abspie­len. 2013 wa­ren es 351, die wir lis­ten und vor­stel­len↵ konn­ten, das zeigt die wah­re Grö­ße und Viel­falt des Enga­ge­ments in Ber­lin.

Carola Schaaf-Derichs

Wie sind die Reak­tio­nen der Men­schen denen das Enga­ge­ment zu Gute kommt und wie erle­ben Sie die Frei­wil­li­gen?

Wir säen mit unse­rer Bera­tung im­mer wie­der Be­geis­ter­ung, was es al­les gibt und wie pas­send sich die Frei­wil­li­gen ihre Tätig­keit aus­su­chen kön­nen2; eben­so bei den Or­ga­ni­sa­ti­o­nen, wer durch unse­re Ver­mitt­lung als Frei­wil­li­ge_r den Weg zu ihnen fin­det und damit an­de­ren Men­schen eine unbe­zahl­ba­re Freu­de macht.

Heu­ti­ge Frei­wil­li­ge haben in der Regel kla­re Vor­stel­lun­gen, was sie wol­len und was nicht, eben­so über die Wir­kung, die sie mit ihrem Ein­satz erzie­len und umge­setzt se­hen wol­len. D.h. dass sich die Ein­rich­tun­gen oder Ini­ti­a­ti­ven gut vor­be­reitet ha­ben soll­ten und abso­lut im Kla­ren über die Rol­le und Auf­ga­ben, die Dos und Don’ts der Frei­wil­li­gen sein soll­ten. Daher raten wir den Ein­rich­tun­gen, dass sie aus­ge­bil­de­te Frei­wil­li­gen­ma­na­ger_in­nen ein­stel­len soll­ten, nur so klappt die Koope­ra­ti­on am bes­ten.

Wel­ches Pro­jekt bleibt Ihnen immer in beson­de­rer Erin­ne­rung?

Das ist vor allem ein jun­ger Frei­wil­li­ger, Mario, damals 18 Jah­re alt, der im Kin­der­haus Casa­blan­ca tätig wur­de, als Frei­zeit­be­glei­ter, ab und zu auch für die Unter­stüt­zung der Haus­auf­ga­ben. Im Kin­der­haus Casa­blan­ca sind auch heu­te noch Kin­der mit Her­kunfts­ge­schich­ten aus aller Welt und Eltern, die selbst mit dem Umstand der Migra­ti­on und ih­rer neu­en Exis­tenz über­aus gefor­dert sind. Mario stell­te sich die­ser Her­aus­for­de­rung uner­schro­cken und hat da­rü­ber auch für unser Maga­zin geschrie­ben: bei sei­ner ers­ten Vor­stel­lung lan­de­te erst mal eine Faust in sei­nem Bauch. Aber er hat sich nicht beir­ren las­sen und wur­de der bes­te frei­wil­li­ge Freund der Kin­der.

Der Ver­ein besteht nun seit 25 Jah­ren. Was waren beson­de­re High­lights in die­ser Zeit3 und was viel­leicht auch Rück­schlä­ge?

Das Jahr 2001 war das Jahr, in dem wir die zwei­te Stu­fe unse­rer Akti­vi­tä­ten zün­de­ten: den Ber­li­ner Frei­wil­li­gen­tag4 als Kam­pa­gne, das Lan­des­netz­werk Bür­ger­en­ga­ge­ment↵ als Akti­onsplatt­form und die Run­den Tische↵ als Dis­kurs-For­mat für die Fra­gen der Zivil­ge­sell­schaft an Poli­tik und Ver­wal­tung. Es ist uns gelun­gen, alle For­ma­te lang­fris­tig zu eta­blie­ren und stets wei­ter zu ent­wi­ckeln. Gegen Rück­schlä­ge ver­su­chen wir uns mit guter Netz­werk­ar­beit und Vor­aus­schau zu wapp­nen, das hat bis­her ganz gut geklappt.

Sie nut­zen die digi­ta­len Kanä­le für ihre Online-Frei­wil­li­gen­bör­se, wie sehen Sie die Rol­le der digi­ta­len Medi­en im Bereich des Enga­ge­ments?

Wir beglei­ten alle unse­re Aktio­nen und Kam­pa­gnen mit sozia­len Medi­en und kön­nen fest­stel­len, dass es jeweils bestimm­te inter­es­sier­te Com­mu­nities gibt: beim Lan­des­netz­werk sind es eher die 45 – 65-Jäh­ri­gen, die unse­ren Online-Jour­na­lis­mus zu aktu­el­len Fra­gen ver­fol­gen. Bei der Ber­li­ner Enga­ge­ment­wo­che sind es die 30 – 45-Jäh­­ri­gen, die wis­sen wol­len, was wo pas­siert in der Stadt . Und als Lan­des­frei­wil­li­genagen­tur Ber­lin haben wir seit zwan­zig Jah­ren die 20 – 30-Jäh­ri­gen als größ­te In­ter­es­sen­ten­grup­pe, d.h. vor allem Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten sowie Neu­zu­ge­zo­ge­ne aus Nah und Fern, die unse­re Online-Bera­tung zum Enga­ge­ment nut­zen.

Das zeigt, dass wir ohne digi­ta­le Medi­en heu­te nicht mehr arbei­ten könn­ten. Daher ent­wi­ckeln wir unse­re Ansät­ze stets wei­ter, was auch uns sehr viel Spaß macht, gera­de im mul­ti­me­dia­len Bereich wie bei unse­rem Frei­wil­li­gen-Maga­zin, mit dem wir die Viel­falt in der enga­gier­ten Stadt­ge­sell­schaft por­trai­tie­ren.

Engagement Global

Wir dan­ken Enga­ge­ment Glo­bal und nament­lich sei­nem Soci­al Media Com­mu­ni­ty Mana­ger Da­ni­el Mon­tua ali­as @montikoeln↵ für die Erlaub­nis zum Nach­druck die­ses EngaS­prächs.

  1. Seit dem 07.04.2014 ein­ge­tra­gen im Ber­li­ner Ver­eins­re­gis­ter unter sei­nem neu­en Namen “Lan­des­frei­wil­li­genagen­tur Ber­lin e. V.” (vor­mals: Die Hilfs­be­reit­schaft e.V.).
  2. Einen guten, weit über Tag hin­aus immer wie­der stark nach­ge­frag­ten Ein­blick ver­mit­telt der Kata­log zur Ber­li­ner Frei­wil­li­gen­bör­se, auch in die­sem Jahr wie­der online ver­füg­bar als Ber­li­ner Enga­ge­ment­ka­ta­log
  3. Vgl. auch Die Hilfs­be­reit­schaft e.V. (Hrsg.), 2008: 20 Jah­re Treff­punkt Hilfs­be­reit­schaft. 20 Jah­re Enga­ge­ment­för­de­rung, Enga­ge­ment­pro­jek­te und Enga­ge­ment­po­li­tik in Ber­lin. Ber­lin, Die Hilfs­be­reit­schaft | Online lesen: issuu.com/treffpunkthilfsbereitschaft↵
  4. Aus dem dann nach zehn erfolg­rei­chen Jah­ren die Ber­li­ner Enga­ge­ment­wo­che im Wort­sinn ein­fach her­aus­wuchs.